Nachweis von Ursache und Wirkung in der Wissenschaft

Diese Seite erklärt, wie Wissenschaft Ursache und Wirkung nachweist: mit klaren Kriterien, experimentellen Bedingungen und anschaulichen Beispielen aus Physik, Biologie/Psychologie und Sozialwissenschaft.

Stein erzeugt Wasserwellen – Beispiel für Ursache und Wirkung.
Stein und Wellen – Symbol für Ursache und Wirkung.

Bedingungen für den Nachweis von Ursache und Wirkung

Dieser Abschnitt zeigt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um Ursache und Wirkung wissenschaftlich nachzuweisen.

Ein ins Wasser geworfener Stein verursacht eine sich ausbreitende Wasserwelle. In Laborexperimenten lässt sich zeigen, dass dieser Zusammenhang immer besteht, auch wenn alle möglichen Störvariablen wie Wind, Erdbeben oder Bewegungen anderer Objekte ausgeschlossen werden.

Die zugrunde liegenden Wirkungsmechanismen dieses deterministischen Gesetzes beruhen auf der Impulsübertragung der kinetischen Energie, der Verdrängung von Wasser, der Oberflächenspannung und der Schwerkraft.

Für den Nachweis eines kausalen Zusammenhangs müssen vier Bedingungen erfüllt sein:

  1. Die vermutete Ursache muss zeitlich vor der Wirkung liegen.
  2. Der Zusammenhang muss theoretisch und praktisch gut begründet sein.
  3. Andere Einflussgrößen müssen ausgeschlossen oder konstant gehalten werden.
  4. Es muss ein statistisch nachweisbarer Zusammenhang bestehen – deterministisch oder probabilistisch.

Zusammengefasst: Ein kausaler Zusammenhang liegt nur dann vor, wenn die Ursache zeitlich vor der Wirkung liegt, theoretisch begründet ist, alternative Erklärungen ausgeschlossen werden und ein statistisch nachweisbarer Zusammenhang besteht.

Testosteron – Erklärungsmechanismus für aggressives Verhalten

Männer sind im Durchschnitt aggressiver als Frauen und nicht-binäre Personen. Es besteht somit ein Zusammenhang zwischen Geschlecht und Aggression.

Die Geschlechtszugehörigkeit liegt zeitlich vor dem aggressiven Verhalten. In Laborexperimenten bleibt der Zusammenhang bestehen, auch wenn Störvariablen wie frustrierende Ereignisse oder Lärm ausgeschlossen werden.

Die Suche nach zugrunde liegenden Wirkungsmechanismen ist zentral. Niemand würde behaupten, der gefundene Wirkungsmechanismus Testosteron solle vertuschen, dass Männer die „aggressiven Bösewichte“ seien.

Testosteron als biologischer Wirkungsmechanismus für Aggression.
Testosteron – biologischer Mechanismus erhöhter Aggressionsbereitschaft.

Erklärungsmechanismen für kriminelles Verhalten

Urbaniok zeigt, dass Kriminalitätsquoten bestimmter Herkunftsländer in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich erhöht sind. Dieser Zusammenhang wird abgeschwächt, bleibt jedoch bestehen, wenn Alter und Geschlecht einzeln eliminiert werden. Bis hierher wurde alles wissenschaftlich sauber hergeleitet.

Digital visualisiertes Gehirn mit Lichtpunkt – Symbol für Erkenntnis.
Im Licht der Erkenntnis – wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt.

Im dritten Teil seines Buches verlässt Urbaniok jedoch die sachliche Ebene. Sinngemäß bezeichnet er Personen, die auf bekannte Wirkungsmechanismen wie Alter, Geschlecht, sozialer Status, Bildung oder Armut hinweisen, als ideologisch verblendet. Damit wird ein zentraler Bestandteil wissenschaftlicher Forschung infrage gestellt.

Urbaniok (2025, S. 58) beschreibt kulturspezifische Prägungen – etwa gewaltfördernde Selbst- und Rollenbilder – als Ursache der erhöhten Kriminalitätsquoten. Diese Hypothese präsentiert er als bereits bewiesen, gestützt auf seine jahrzehntelange klinische Erfahrung.

Messer trennt empirische Prüfschritte – Symbol für fehlende empirische Prüfung.
Die empirische Prüfung der Hypothese wird abgeschnitten.

Stattdessen müsste die Hypothese erst empirisch belegt werden. Insbesondere müsste gezeigt werden, dass kulturspezifische Prägungen wirksam bleiben, wenn andere Einflussgrößen eliminiert werden.

Prüfung von Urbanioks Hypothese – hierarchische multiple Regression

Ein Experiment zur Kriminalität unter Eliminierung der Variablen Alter, Geschlecht, sozialer Status, Bildung oder Armut ist praktisch und ethisch nicht realisierbar. Alternativ kann eine Studie mit Selbstberichten durchgeführt werden, bei der Kriminalität als Kriterium und kulturspezifische Prägungen sowie die bekannten Einflussgrößen als Prädiktoren verwendet werden.

Mit der hierarchischen multiplen Regressionsanalyse kann der Einfluss der Störvariablen künstlich eliminiert werden – genau wie es die Kriterien des kausalen Nachweises verlangen.

Literaturempfehlungen

Kuhlmei (2018, S. 219–221): anschauliche Darstellungen zu Korrelation und Kausalität.

Huber (2013): humorvolle Einführung in die psychologische Methodenlehre.

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